Erst wenn die eigene Existenz gesichert ist und auch die Betreuten gut grundversorgt sind – und zwar durch professionelle Kräfte –, erst dann kann Ehrenamt funktionieren.
(Gabriele Goettle¹)

Zu dieser Ansicht sind wir am Ende unserer Diskussionsrunde im Sprengbüro am 10.3. fast einhellig gekommen. Es war eine nette Runde, in der sowohl sehr engagierte Menschen aus der Praxis freiwilliger Arbeit berichteten, als auch theoretisch Interessierte ihre Fragen und Gedanken zum Thema beitrugen. Im Folgenden möchten wir die Diskussion kurz zusammenfassen. Natürlich konnten wir dabei nicht alle Aspekte von freiwilliger, oder auch ehrenamtlich genannter, Arbeit besprechen, die in unzähligen Bereichen wie Sportvereinen, der Feuerwehr, Studierendenvertretungen, der Nachbarschaftshilfe oder der Hilfe für Geflüchtete geleistet wird. Dennoch haben wir in unserer Runde einige sowohl kritische, als auch positive Punkte gefunden und besprochen.

Viele, die sich irgendwo freiwillig engagieren kennen es: Das Engagement wird irgendwann so anstrengend, dass man einfach nicht mehr kann. Die Uhrzeiten, zu denen freiwillige Arbeit stattfindet, vertragen sich nicht mit dem Arbeitsalltag, worunter die Qualität leidet. Oder man bekommt nach einem geförderten ehrenamtlichen Projekt gesagt, dass man einen sehr guten und wichtigen Job mache, diesen jedoch bitte mit noch weniger Geld weiter machen solle.
Immer öfter zeigt sich, dass der Staat sich im Zuge von Sparmaßnahmen und Privatisierung aus der Daseinsvorsorge, der Bereitstellung von notwendigen Gütern und Leistungen, zurückzieht, dann jedoch ehrenamtliches Engagement bewirbt – als Lückenfüller, für Aufgaben, die eigentlich professionell übernommen werden sollten, um sie für alle zufriedenstellend zu erledigen.

Freiwilliges Engagement bietet aber auch viele Möglichkeiten sein soziales Umfeld mitzugestalten, Spaß zu haben oder einfach anderen zu helfen – ist also eine gute Sache. Und viele Menschen sind heutzutage einfach darauf angewiesen, dass es ehrenamtliche Vereine gibt, die sich in verschiedensten Bereichen um sie kümmern oder in Notlagen helfen. Man sollte sich jedoch bei freiwilliger Arbeit nicht ausnutzen lassen und auch auf sich selber achten. Eine respektvolle Zeit- und Aufgabeneinteilung sind daher Aspekte, die man für sich einfordern sollte. Und oft macht es Sinn punktuelles Engagement auch mit politischen Forderungen zu verknüpfen, um Missstände aufzuzeigen und an ihrer Beseitigung zu arbeiten.

Das Potential von ehrenamtlicher Arbeit jedenfalls ist riesig, dennoch frisst der Broterwerb oft die zur Verfügung stehenden Ressourcen auf und so sind wir – wie im eingangs geschriebenen Zitat – größtenteils zu der Ansicht gekommen, dass nachhaltiges und gutes freiwilliges Engagement funktioniert, wenn alle Beteiligten eine ausreichende sozialstaatliche Grundversorgung haben.